Der 27. Januar ist in Deutschland der gesetzliche Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Dieses Datum erinnert an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 durch sowjetische Truppen. Seit 1996 wird bundesweit der Opfer des NS-Regimes gedacht, und seit 2005 ist es ein internationaler Gedenktag.

Eine ergreifende Geschichte

Ich habe heute morgen mein Fotoalbum aus Schulzeiten herausgeholt und durchgeblättert. Andere Kursgruppen sind 1998, in der 11. Klasse, in Schweden gewandert oder haben in Schwangau Berge erklommen. Wir – ein kleiner Kreis von unter 15 Personen – sind dem Aufruf unseres – im allgemeinen sehr unterhaltsamen – Lehrers gefolgt. Wir folgten der Geschichte von Ruth Elias, einer Auschwitzüberlebenden, lasen ihr Buch, fuhren mit ihr durch Tschechien und sie erzählte uns von ihrem Leben. Der Buchtitel lässt mich heute noch erschaudern: „Die Hoffnung erhielt mich am Leben“

Erschaudern vor allem deswegen, weil wir von ihr persönlich erfuhren, welches Leid sie in Auschwitz erlebte. Unter anderem erzählte sie von dem grausamen Praktiken des KZ-Arztes Dr. Josef Mengele. Über dessen Verschwinden übrigens in HH im Dezember ein Film zu sehen war. Unvorstellbar grausam.

Als Projektgruppe fuhren wir allein – ohne Ruth Elias – nach Auschwitz weiter, standen in den Baracken, gruben in den Straßen des KZ’s, auf der Suche nach Überresten unserer Vergangenheit. Wir schauderten beim Besuch der Krematorien und beim Spazieren über wunderschöne Wälder, unter denen noch heute zahlreiche Leichen vergraben sind.

Aus unserer Fahrt wurde eine szenische Darstellung mit Textbeiträgen und Musik. Wir erzählten Ruth Elias Geschichte weiter in unserem Heimatort und wurden von ihr nach Israel eingeladen, um in einem Kibbuz das Projekt vorzustellen. Ich sehe uns noch mit feuchten Augen auf der Bühne vor den Menschen stehen, die teilweise ähnliches Leid erfahren hatten wie unsere Protagonistin.

Niemals vergessen – nie wieder

Ich bin noch heute unendlich dankbar für diese Erfahrung und mag in jedem Jahr neu daran erinnern. Und ich verstehe es noch immer nicht, wie grausam Menschen zueinander sein können. Niemand sollte über eine:n andere:n urteilen „du bist falsch, ich bin richtig“. So lange wir die Grenzen voneinander achten und respektieren, dürfen wir so sein, wie wir sind. Und ich komme mir in diesen Zeiten beinahe naiv vor, dies so zu schreiben.

Kategorien: Gesellschaft

Sandra Brauer

Sandra Brauer, Diplom-Kauffrau (FH), Systemische Beraterin (DGSF-zertifiziert), Stressmanagement-Trainerin, Prozessbegleiterin in der digitalen Transformation, Lehrauftrag an der FOM Hochschule Hamburg; Gründerin des Systemischen Netzwerks, Autorin im Junfermann Verlag. Schwerpunkte: Coaching von Einzelpersonen und Teams, Vermittlung digitaler Kompetenzen weitere Websiten: https://systemischesnetzwerk.de

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