„Ich fühle mich wie reanimiert.“

Dieser eine Satz einer Teilnehmerin nach der Eröffnung des Resonanzraumes Hamburg in der Hamburg Musical Company hallt in mir nach. Er markiert den Punkt einer Reise, die vor über 20 Jahren begann – an einem Ort, der damals mit kreativer Freiheit und Improvisation so gar nichts zu tun hatte.

Von der Sicherheit zur Freiheit

Ich erinnere mich an die Zeit nach dem Abi zurück. Ich habe damals geglaubt, dass mein Abitur aussagte, was ich kann und wozu ich fähig bin.

Man machte in der Oberstufe ein Wirtschaftspraktikum. Ich zählte damals begeistert in der Sparkasse sehr viel Geld – sonst aber waren diese zwei Wochen eher langweilig.

Nach einem äußerst schlechten Abi und mit dem biografischen Hintergrund Arbeiterkind war ich recht einfallslos, was meine Zukunft anbelangte und froh, als mir ein Schnipsel der Arbeitsagentur in die Hände fiel: Groß- und Außenhandelskauffrau bei Yamaha Music Europe. Musik war immer Teil meines Lebens, passte also.

Mach was Vernünftiges

Etwas später befand ich mich im Wechsel zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb zwar umgeben von Musik, aber doch in dieser Wirtschaftswelt dem Glaubenssatz „Mach was Vernünftiges, was Sicheres“ folgend wieder. Ich konnte ganz gut Mathe und verkaufen – passte also, oder?

Fakt war, gerade die weiblichen Kolleginnen waren damals unerträglich. Zudem waren die meisten Aufgaben sterbenslangweilig. Die Liebe (zu einem Mann &) zu den Flügeln im hauseigenen Konzertsaal sowie die legendären von Musik geprägten Weihnachtsfeiern und unsere Präsenz auf der Musikmesse Frankfurt am Main ließen mich durchhalten. Ich hab in der Zeit ein Jahr der Ausbildung übersprungen und im letzten Jahr dieser sogar eine Strichliste geführt, wie viele Tage bis Ausbildungsende noch zu leisten waren. Abbrechen war damals keine Option.

Der Traum, etwas mit Musik zu machen

Ich hörte in der Zeit von einem Studium an der BA Mannheim. Artist & Relationship Management – das hätte mich am meisten angezogen. Kurz: Ich träumte, traute mich aber nicht und entschied mich für BWL in Hamburg (ich konnte ja gut Mathe und verkaufen…).

Seitdem ich denken kann, singe ich im Chor oder auch in Vokal-Ensembles, Klavierspiel kam dazu. Hätte ich 24h mehr Zeit pro Tag würde ich aktuell gern Cello und Saxophon lernen. Während der Yamaha Zeit konnten wir vergünstigt Musikunterricht buchen, das nutze ich damals natürlich. Ich erinnere mich jetzt noch an die schambesetzten Momente, wenn ich frei und ohne Noten improvisieren sollte.

Ein neues Release: Kreative Freiheit und Improvisation

Dass ich mich nun gestern im Musikzimmer der Hamburg Musical Company wiederfand, eine Gruppe dazu motivierte, Klänge und Sounds mit ihrer Stimme und ihrem Körper zu machen, dass ich selbst Melodien frei improvisiere kann, ist mit Blick auf die Vergangenheit für mich das pure Glück. Dahinter stecken über 20 Jahre persönliche Entwicklung. Ich hätte damals im Leben nicht darüber nachgedacht, dass ich mir mal einen solchen Job schaffen werde, der in diese Richtung geht. Das Grundlagenjahr Musiktherapie am HIGW unterstützt den kreativen Entfaltungsprozess aktuell sehr. So fühlt es sich in meinem Inneren und nun auch nach Außen sichtbar wie das Aufspielen eines neuen Releases meiner Persönlichkeit an.

Künstlerisch. Therapeutisch. Kreativ. Intuitiv.

Mit der Eröffnung des Resonanzraumes Hamburg schließt sich ein Kreis und beginnt gleichzeitig ein für mich neuer Weg. Es ist mehr als nur ein Raum für Musik; es ist ein Ort für Begegnung und – wie die Teilnehmerin sagte – für „Reanimation“.

Wenn Musik es schafft, uns so tief mit uns selbst und anderen zu verbinden, dass wir uns danach wieder lebendig fühlen, dann brauchen wir unbedingt mehr davon, oder?

Bist du bereit für deine eigene Resonanz?

Der Resonanzraum Hamburg öffnet einmal im Monat an wechselnden Wochentagen seine Türen.


Sandra Brauer

Sandra Brauer, Diplom-Kauffrau (FH), Systemische Beraterin (DGSF-zertifiziert), Stressmanagement-Trainerin, Prozessbegleiterin in der digitalen Transformation, Lehrauftrag an der FOM Hochschule Hamburg; Gründerin des Systemischen Netzwerks, Autorin im Junfermann Verlag. Schwerpunkte: Coaching von Einzelpersonen und Teams, Vermittlung digitaler Kompetenzen weitere Websiten: https://systemischesnetzwerk.de

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