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Interviewreihe | Happy Job Happy Me? | #2

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Worum geht´s?

In meiner freiberuflichen Tätigkeit habe ich häufig zu Personen Kontakt, die unzufrieden mit ihrer aktuellen beruflichen Situation sind. Mit dieser Interviewreihe möchte ich den Blick auf das Positive lenken und herausfinden, was Menschen benötigen, um zufrieden und vielleicht sogar glücklich arbeiten zu können.

themenkarten_beratungMein heutiger Interviewpartner heißt Otto Stellmacher. Otto arbeitet einerseits als Lerntherapeut und Bereichskoordinator und ist andererseits selbstständig als Supervisor und Gestalter von Therapiekarten. Über den Instagram-Account von Handsatz Themenkarten bin ich auf Ottos Profil gelangt. Näheres zu Otto findest du hier

Wie bist du zu Deinem Job gekommen? Welche Ausbildung hast du absolviert und wie war der Weg von damals bis heute in wenigen Worten beschrieben?

Ok, hier beschränke ich mich mal auf die Lerntherapie. Ich habe Psychologie studiert und mich schon im Studium auf Bildungs- und Lernpsychologie spezialisiert. Mein Master hieß „Learning Science“. Es drehte sich um alles, was mit Lernen zu tun hat. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es Lerntherapie gibt. Nach dem Studium kam ich für ein Praktikum nach Berlin an das Institut für Produktives Lernen in Europa (IPLE). Produktives Lernen ist eine besondere Schulform, in der SchülerInnen drei Tage pro Woche ein Praktikum besuchen und an zwei Tagen in kleinen Gruppen Unterricht haben. Das Schöne daran ist, dass der Unterricht viel praktischer gestaltet werden kann, die SchülerInnen viele Soft Skills erwerben und auch schon Kontakte zu Ausbildungsbetrieben knüpfen. Das IPLE kümmerte sich darum, diese Schulform an Schulen anzukoppeln.

Danach war ich arbeitslos – eine schreckliche Zeit. Ich fand eine Weiterbildung zum Lerntherapeuten und kam so zum Beruf. Im Prinzip bin ich seit 2011 bei der gleichen Institution. Ich habe mehrmals meine Arbeitsorte gewechselt. 2015 habe ich als Bereichskoordinator angefangen zu arbeiten und einen neuen Standort mit aufgebaut. Aktuell besteht meine Arbeit aus der Bereichskoordination und Lerntherapien. Ich arbeite an drei Tagen in der Woche festangestellt, sodass mir zwei Tage für meine Selbstständigkeiten bleiben. Ok, da man als Selbstständiger auch oft am Wochenende arbeitet, bleiben mir vier Tage für die Selbstständigkeit.

Ich erzähle das so genau, weil es unmittelbar mit meiner Zufriedenheit zusammenhängt. Es ginge allerdings auch noch viel ausführlicher.

Auf einer Skala von 0 – 10 wie zufrieden bist du? (10 ist maximale Zufriedenheit)

8

Was müsste vorhanden sein, damit du eine klare 10 vergeben kannst?

Meine Selbstständigkeiten müssten noch etwas runder laufen. Aber ich baue sie ja auch gerade erst auf.

Beruf oder Berufung – was trifft eher auf Dich und Deinen Job zu?

Berufung. Und damit meine ich das Gesamtpaket. In den Lerntherapien arbeite ich mit Kindern, Jugendlichen und deren Familien. Die Kinder und Jugendlichen haben eine Legasthenie- oder Dyskalkuliediagnose, die sich oft auf deren emotionale Gesundheit auswirkt. Sie merken, dass sie in der Schule nicht so gut mitkommen wie die anderen Kinder, werden dadurch häufig unmotivierter und frustriert. Deswegen geht es bei der Arbeit darum, die Kinder und Familien zu stärken, am Problem zu arbeiten, damit es besser wird und sie so wieder auf einen guten Lernweg zu bekommen. Das ist an sich schon eine sehr dankbare Arbeit, denn ich arbeite vor allem im Einzelsetting. Es macht viel Spaß, sich auf jedes Kind einzulassen und genau zu schauen, was es braucht, sich mit ihnen über die Erfolge zu freuen, zu ermutigen weiterzumachen und dranzubleiben, wenn es mal nicht läuft. Beim Lernen geht es auch immer viel um Beziehung. Wenn die Beziehung nicht gut ist, kann man nicht lernen. Und deswegen versuche ich auch immer eine gute therapeutische Beziehung aufzubauen. Insgesamt bekomme ich auch viel Dankbarkeit zurück. Wenn ein Kind zum Beispiel ausrechnet, an welchem Wochentag es Geburtstag hat, weil es unbedingt an diesem Tag zur Therapie kommen will. Das ist schon toll, denn daran merke ich, dass es dem Kind Spaß macht und gerne hier ist. Dann kann es sich auch auf die schwierigen Themen einlassen und sich so verbessern. Da ich meine Therapien selbst organisiere, kann ich sehr selbstbestimmt arbeiten. In der Bereichskoordination bin ich auch überwiegend frei.

Berufung ist aber auch mein Arbeitsmodell, dass ich nur an drei Tagen therapeutisch arbeite und an zwei/vier Tagen selbstständig bin. Ich kann mir etwas anderes eigentlich nicht mehr vorstellen. Fünf Tage Lerntherapien machen, wäre mir zu viel. Ich brauche auch den Ausgleich mit Erwachsenen zu arbeiten und kreativ zu sein.

Auf was oder wen würdest du in Deinem Kopf auf keinen Fall verzichten wollen?

Ich glaube, ich kann meine Bedürfnisse sehr gut wahrnehmen und ihnen Beachtung schenken. Ich muss sie nicht sofort erfüllen. Mittelfristig weiß ich, was ich verändern will, damit ich meinen Bedürfnissen Raum geben kann. Selbstbestimmtes Arbeiten gehört für mich absolut dazu – egal ob in der Festanstellung oder in der Selbstständigkeit. Außerdem sind es noch die Arbeit mit Menschen und die Kreativität. Das habe ich momentan alles gut vereint.

Auf die Selbstbestimmung kann ich auf keinen Fall verzichten! Ich empfinde große Dankbarkeit, dass es mir möglich ist, nicht darauf verzichten zu müssen.

Wenn du an einen richtig guten Arbeitstag zurückdenkst, was war da anders als an anderen Tagen?

Es gibt viele verschiedene richtig gute Arbeitstage: Wenn zum Beispiel ein neues Motiv [der Themenkarten] fertig wird, wenn eine Supervision viel auslöste oder wenn ein Kind plötzlich in der Therapie einen Lachanfall bekommt, obwohl es vorher fast keine emotionale Regung zeigte.

An einem richtig guten Arbeitstag ist also etwas passiert, das in mir etwas auslöst: Stolz, Freude, Mitgefühl und mehr.

Mal angenommen, du dürftest Deinen Job an jemand anderen weitergeben, welche Eigenschaften müsste er oder sie mitbringen, um einerseits gut darin zu sein und andererseits ebenso zufrieden darin arbeiten zu können? Welche Leidenschaft hätte zudem diese Person?

Das ist ja eine tolle Frage! Die Person müsste ein großes Durchhaltevermögen mitbringen und eine positive Weltsicht haben. In meinen Berufen passiert vieles sehr langsam. Aber auch die kleinen Fortschritte wollen gesehen werden und Anerkennung bekommen. Außerdem müsste die Person kreativ sein und sich spontan auf Situationen einlassen. Am wichtigsten ist wahrscheinlich, dass die Person sich gut strukturieren muss und weit nach vorne schauen kann. Sonst klappt es nicht mit der Selbstbestimmung.

Hast du Dir schon mal Gedanken über Deine Grundwerte gemacht? (z.B. Vertrauen, Motivation, Respekt, Ehrlichkeit) Welche müssten Deiner Meinung nach erfüllt sein, damit du zufrieden und glücklich arbeiten kannst?

Neugierde, Klarheit und Beharrlichkeit. So steht es auch in meinem Profil. Das sind meine Werte, die ich in jegliche Berufe einbringe.

Es dürfen natürlich noch mehr Werte erfüllt sein. Vertrauen zum Beispiel. Die Menschen, mit denen ich arbeite, müssen mir schon vertrauen, dass ich einen guten Rahmen bereitstelle, damit Entwicklung stattfinden kann. Dann ein gewisser Optimismus und eine Leichtigkeit. Es gibt viele ernste Angelegenheiten, aber mal ehrlich: Man darf auch trotzdem darüber lachen. Zwischendurch mal ein bisschen Quatsch, um die Ernsthaftigkeit auf den Boden der Tatsachen zu bringen, das finde ich wichtig. Genauso wichtig ist es natürlich, nicht ins Alberne zu verfallen. Auch Kleinigkeiten müssen gehört und ernst genommen werden. Schwer zu beschreiben.

Es gibt bestimmt noch sehr viel mehr – auch eine wirklich schöne Frage zum Nachdenken.

Da ich permanent immer wieder zu Personen Kontakt habe, die unglücklich im Job sind und sich verändern möchten bzw. am liebsten ihr Umfeld verändern möchten, noch eine letzte Frage: Was würdest du Menschen, die nicht zufrieden arbeiten, raten, um ihre Situation zu verbessern? Ergänze dazu gern folgenden Satzanfang: „Hast du mal darüber nachgedacht, dass…..“

  • dass es auch anders sein könnte? Was hält dich in der aktuellen Situation?
  • Wer ist dein Vorbild in Bezug auf zufriedene Arbeit? Was macht er/sie anders?
  • Oh es gibt so unzählige Fragen, die man stellen kann…

Gibt es etwas, was du noch ergänzen möchtest?

Ich möchte ergänzen, dass ich es für eine sehr gute Idee halte, nicht an fünf Tagen die Woche zu arbeiten. Weniger (fremdbestimmte) Arbeitszeit schafft Freiräume. Wenn man diese Freiräume nicht gleich mit Medien oder Konsum vollstopft, kann man meiner Meinung nach einen guten Zugang zu sich und den eigenen Bedürfnissen finden. Mir hilft es, ausgeglichen zu bleiben. Dafür verzichte ich auch gerne auf ein höheres Gehalt. Denn das muss man auch sagen. Mit meiner 3-Tage-Woche verdiene ich natürlich nicht so viel, wie jemand, der an fünf Tagen arbeitet.

Fällt Dir eine Frage ein, die du noch beantworten möchtest oder auf deren Antwort du bei anderen Interviewpartnern gespannt wärest?

Spannend fände ich:

Welche Werte/Vorstellungen in Bezug auf Arbeit hatten deine Eltern/Großeltern? Waren/Sind sie zufrieden?


Herzlichen Dank für Deine Zeit und Mühe, lieber Otto, mein Vorhaben zu unterstützen und vielleicht auch einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass Menschen daran glauben, zufrieden und glücklich arbeiten zu können. Frei nach meinem Montagsmotto: #loveitchangeitleaveit – du hast immer eine Wahl!


Möchtest du, lieber Leser/liebe Leserin, auch anderen Menschen Dein persönliches Geheimnis verraten, wie es möglich wird, zufrieden oder sogar glücklich zu arbeiten? Einzige Bedingung, du bist bereits länger als ein Jahr in Deinem aktuellen Job beschäftigt und bist zufrieden – dann melde Dich gern bei mir

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