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Reflektion meiner Erfahrungen im virtuellen Raum

Reflektion und Erfahrungen im digitalen Raum

Sich virtuell zu begegnen, lernen, arbeiten auf Distanz bringt aktuell noch so manchen Stolperstein mit sich. Vor allem die Reflektion unserer Erfahrungen macht es möglich, digital-sozial immer kompetenter zu werden.

im Fokus: virtuelle Lehre

Seit zwei Semestern habe ich einen Lehrauftrag an der FOM Hochschule für Oekonomie & Management in Hamburg. Die Möglichkeit im Bachelor Gesundheits- und Sozialmanagement das Modul Psych. Gesprächsführung zu übernehmen, kam mitten in der Pandemie. Ein wahres Geschenk wie sich im Nachhinein herausstellte. Nicht nur, dass ich schon immer gern Wissen weitergegeben habe und dies nun regelmäßig ausleben darf, sondern auch das zahlreiche Erfahrungen sammeln in virtueller Lehre ist großartig und kam genau zur richtigen Zeit. Bis auf eine Vorlesung im letzten Jahr sind wir uns in beiden Semestern ausschließlich virtuell begegnet.

Voneinander lernen

Gerade im ersten Semester habe ich mir regelmäßig Feedback eingeholt, was gut und was ausbaufähig bei der Vermittlung der Lehrinhalte war. Als vorteilhaft wurde ganz klar benannt, dass durch die Ortsunabhängigkeit bei vielen Studierenden eine regelmäßigere Teilnahme als üblich möglich war. Nicht nur das, die FOM ist eine Hochschule für Berufstätige, das heißt, die Studierenden gehen normalerweise nach dem Arbeitstag noch ins Hochschulzentrum. Auch wenn die meisten die Begegnungen mit ihren Kommiliton*innen vermissen, war es ihnen aufgrund von Zoom leichter möglich, Beruf, Familie und Privatleben mit der Uni zu verbinden.

Digitalem Stress begegnen

Mir war sehr daran gelegen, dass wir uns mit Video treffen. Nicht alle und nicht immer wurde mein Wunsch erfüllt. Auch wenn ich verkündet habe, dass es mir gleich ist, wie jeder einzelne während der Veranstaltung ausschaut, was noch dabei getan wird etc., blieb dieser Wunsch ab und an unerfüllt. Dieses Verhalten ist verständlich. So besagen aktuelle Studien, dass Menschen sich im virtuellen Raum extrem beobachtet fühlen und dazu noch sich selbst häufiger als sonst anschauen. Zwei nicht unwesentliche Stressfaktoren. Somit vollkommen okay.

Was ich zudem äußerst interessant fand, dass sich Phänomene aus der Präsenz im virtuellen Raum noch verstärken. Menschen trauen sich häufig nicht, sich vor anderen zu äußern und zu zeigen. Als Beispiel aus der Lehre sei hier die Prüfungsangst erwähnt. Eine Studierende hatte am gestrigen Prüfungsabend für sie überraschende technische Hürden zu überwinden. D.h. das ursprüngliche eh schon vorhandene Stressgefühl wurde noch einmal mehr verstärkt. Meiner Erfahrung nach trauen sich so einige Menschen nicht, sich im virtuellen Raum zu zeigen und sich zu beteiligen. Die Angst vor Kritik/Ablehnung scheint hier fast noch größer zu sein als in Präsenz.

Was gestern Abend schön zu beobachten war, war das wertschätzende und wohlwollende Feedback der Kommiliton*innen im Anschluss. Diese Wärme, diese Nähe ist auch im virtuellen Raum spürbar – eine Erkenntnis, die ich immer wieder in meinen Webinaren, Online-Seminaren oder Team-Coachings mache.

Den digitalen Strukturwandel können wir nur gemeinsam gestalten

Warum ich das heute mit Euch teile? Wir stehen erst am Anfang unserer digitalen Reise – es gibt vor allem in Bezug auf unsere digital-sozialen Kompetenzen noch viel zu lernen. Und lernen gelingt am ehesten gemeinsam durch Reflektion und Erfahrungsaustausch. Daher ist genau letzteres immer Bestandteil meiner Veranstaltungen. Nur so können wir meiner Meinung nach diesen digitalen Strukturwandel gelassen gestalten!

Ich freu mich auf Ergänzungen und das Teilen Eurer Erfahrungen zum Arbeiten auf Distanz in den Kommentaren.

Zwei ganz interessante Artikel dazu, die auf die erwähnten aktuellen Studien verweisen:

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