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Mein erstes Barcamp | Nachlese Barcamp Hamburg

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Plötzlich war ich mittendrin, in dieser Szene, die sich um New Work, die Arbeitswelt der Zukunft und den kulturellen Wandel dreht. Nicht wirklich überraschend, wenn Dein Hauptbeschäftigungsfeld die Begleitung von Veränderungsprozessen ist, oder?

Ganz gleich, ob es um ein Digitalisierungsprojekt geht, ob neue Teamkonstellationen geplant sind, berufliche Wechsel anstehen, irgendwann geht es dann immer ums Eingemachte: Um Werte, Haltung & Kommunikation der Menschen, die Veränderungen in Organisationen und auch außerhalb erleben. Durch Veränderungen gestalten wir Systeme, Organisationen, Institutionen und Unternehmen und damit Lebens- und Arbeitsbedingungen von Menschen. Häufig sind Widerstände gegenüber den Neuerungen spürbar, Ängste kommen auf, Konflikte mehren sich. Ein Leitsatz aus alten Change-Management-Lehrbüchern ist: „Betroffene zu Beteiligten machen“ Ich mag die Formulierung der Betroffenheit nicht, das ist mir zu negativ. Veränderungen haben sehr viel Potenzial, etwas Neues und sehr Gutes hervorzubringen. Was ich wiederum sehr schätze, ist die Beteiligung und noch besser das Wort der Mitgestaltung oder auch ganz pur die gemeinsame Gestaltung von Veränderungsprozessen. Das ist nicht immer möglich, weil den Unternehmen Zeit und Geld fehlt; ein schöner Ansatz, der nachhaltige Veränderung auf angenehme Art und Weise möglich machen kann, ist dies alle mal.

Es gibt eine Reihe von Moderationsformaten zur Workshopgestaltung, die sich genau diese Beteiligung zum Ziel gesetzt hat. Alle Menschen, MitarbeiterInnen einer Organisation oder TeilnehmerInnen einer Konferenz mit einbeziehen; zu Themen ins Gespräch kommen, die viele interessieren und dazu noch Eigeninitiative, Kreativität und Kollaboration fördern.

Zum Ende 2017 fragte mich jemand aus meinem Netzwerk, warum ich denn nicht auf dem Barcamp gewesen sei. Mir sagte das Format bis dahin nicht allzu viel und ich wusste bisher auch noch nichts über DAS Barcamp Hamburg. Einige Wochen und Monate vergingen, immer mal wieder fiel das Wort Barcamp. Vor allem in einem meiner liebsten Netzwerktreffen zur Zukunft der Arbeit, welches im Open Space – Format stattfindet. Somit informierte ich mich, folgte dem Facebook-Account und meldete mich schlussendlich zur Veranstaltung Ende 2018 an.  Schnell nochmal einen Tag vorher durchgelesen, wie so etwas abläuft, auf´s Fahrrad gestiegen und schon konnte es losgehen.

Das Erste, was mir positiv auffiel, dass der Preis für die Veranstaltung vollkommen in Ordnung war, für das, was man dort erlebt, an Inspiration und natürlich auch Kontakten mitnimmt. Durch verschiedene Sponsoren ist einerseits die Location gesichert und das Bier und die Schorlen immer ausreichend kalt gestellt. Das Rahmenprogramm und das hervorragende Catering von Otto runden die Veranstaltung ab.

Los ging es also am Freitag. Nach der Begrüßung durch die Veranstalter erhält man die Gelegenheit sein Thema zu pitchen. digitales-bewusstseinDu gehst auf die Bühne und erzählst in Kurzform, worüber du mit anderen ins Gespräch kommen möchtest. Bunter ist eine Konferenz kaum möglich. Ganz gleich, ob es das gemeinsame Seriengucken ist, Vorstellen einer neuen Business-Idee, Übertragen von Scrum auf Familienorganisation – den Themen sind keine Grenzen gesetzt. Im Anschluss melden sich die Zuhörer und bekunden damit das grundsätzliche Interesse an dem Thema. Als sogenannter Sessiongeber gehst du danach an eine vorbereitete Moderationswand und suchst einen geeigneten Raum und Deine gewünschte Uhrzeit aus.

Kleine Randnotiz: einer der Herren hat vor seinem Pitch bemerkt, dass es sehr wenig Frauen gab, die ihr Thema dort vorgestellt und zur Diskussion eingeladen haben. Schade. Eine sehr tolle Gelegenheit ganz kurz vor vielen Menschen sprechen zu üben und dazu noch Interesse für die eigenen Themen zu erfragen. Meines war an diesem Tag #digitalesbewusstsein. Eine andere Kollegin hatte ein ähnliches, so dass wir unsere Session gemeinsam gestaltet haben. Für die Gestaltung gab es keinerlei Vorgaben. Ganz gleich, ob Präsentation, Interaktion oder Gesprächskreis, alles ist möglich. Wir haben eine Art Gruppendiskussion geführt. meeting-formatNeben den vielen Sessions, die man besuchen kann, pro Stunde ca. eine, gab es immer wieder Gelegenheit bei Speis und Trank mit noch unbekannten Menschen zu plaudern.  Aus meiner Perspektive war es eine sehr bunte, wertschätzende und vor allem von kulinarischen Genüssen geprägte Atmosphäre, die für sehr viel Inspiration sorgte. Dieses Gefühl, welches ich bei vielen BesucherInnen wahrgenommen habe, etwas Gutes in der Welt bewegen zu wollen, verbindet meiner Meinung nach sehr und schafft eine gute Stimmung untereinander. Das Schöne ist auch, wenn du ein wenig in Hamburgs Szenen zu Digitalisierung, New Work, agile, Kulturwandel & Co unterwegs bist, dann triffst du dort auch eine Reihe von Bekannten. Ich möchte mich hiermit noch einmal sehr herzlich an die unglaublich witzige und laute Runde beim Mittag bedanken.

Inhaltlich nimmt man mit der Zeit, wenn man öfter auf Veranstaltungen dieser Art ist, gar nicht mehr so viel mit. Es sind eher kleine Impulse wie z.B. neue Arbeitsmethoden oder Perspektivwechsel. Was ich wiederum als besonders wertvoll empfinde, sind die Begegnungen mit Gleichgesinnten und dazu auch sehr vielen verschiedenen Menschen. Daraus kann ein toller Moment, eine Netzwerkverbindung, eine Geschäftspartnerschaft und wahrscheinlich noch viel mehr entstehen. Das ist toll und sehr bereichernd.

menschen-freiheit
Garderobe am Freitagabend

Auf der Metaebene würde ich sagen, fördern solche Veranstaltungsformate Mut, Offenheit und Zugewandheit gegenüber anderen Menschen und Meinungen. Dazu noch Vertrauen und Flexibiliät im Hinblick auf das Gelingen der Sessions, ohne das vorher ein konkreter Plan, eine Agenda oder Struktur bekannt war. Dazu kannst du Deinen eigenen Bedürfnissen nach Austausch, Erholung, Entspannung, Input etc. permanent folgen. Du musst nämlich gar nichts gestalten, kannst auch einfach nur dabei sein und es wäre dennoch vollkommen okay. Ich sag nur „Freiheit pur“.

Die ganze Veranstaltung war über zwei Tage geplant, inklusive Party am Freitagabend. Ich war nur am Freitag da und war im nachhinein ganz froh darüber. Denn auch ein „Social Nerd“ (Namenstaufe eines Sportfreundes: ein Social Nerd ist jemand, der es liebt mit anderen Menschen zu interagieren) braucht irgendwann mal eine Pause. Ich war sehr froh und vollkommen berauscht von den Eindrücken (minimal vielleicht auch vom Bier), als ich mit meinem Rad nach Hause fuhr. Nächstes Jahr gern wieder – kommst du mit? 

 

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