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Interviewreihe | Happy Job Happy Me? | #6

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Worum geht´s?

In meiner freiberuflichen Tätigkeit habe ich häufig zu Personen Kontakt, die unzufrieden mit ihrer aktuellen beruflichen Situation sind. Mit dieser Interviewreihe möchte ich den Blick auf das Positive lenken und herausfinden, was Menschen benötigen, um zufrieden und vielleicht sogar glücklich arbeiten zu können. Einzige Bedingung, du bist bereits länger als ein Jahr in Deinem aktuellen Job beschäftigt und bist zufrieden.

Meine heutige Interviewpartnerin ist Mariann Lange. Mariann arbeitet bei einer Regionalbank in der Personalabteilung als Referentin Personalstrategie. Dort ist sie zuständig für personalstrategische Themen, betreibt Organisationsentwicklung aus dem HR-Bereich heraus und begleite den Wandel unseres Hauses auf dem Weg zu mehr Anpassungsfähigkeit. Mariann und ich haben über Twitter zueinander gefunden.

Wie bist du zu diesem Job gekommen? Welche Ausbildung hast du absolviert und wie war der Weg von damals bis heute in wenigen Worten beschrieben?

Vor dieser Position war ich bei uns im Unternehmen rund drei Jahre lang für die Interne Kommunikation zuständig. Davor war ich gut 15 Jahre in verschiedenen Change- und Kommunikationsberatungen tätig und habe ganz unterschiedliche Kunden betreut. Die Erfahrungen helfen mir auch heute noch dabei, Organisationen zu verstehen. Studiert habe ich Diplom-Geographie, VWL und Politikwissenschaft. Im Anschluss an das Studium habe ich ein Traineeprogramm für PR absolviert und später auch eine systemische Zusatzqualifizierung.

Auf einer Skala von 0 – 10 wie zufrieden bist du? (10 ist maximale Zufriedenheit)

Auf Twitter habe ich ja so vollmundig mit der 10 geantwortet. Warum? Weil ich derzeit in Umständen wirken kann, in denen ich zum einen inhaltlich sehr großen Gestaltungsspielraum habe, dadurch ganz viel bewegen kann, was Relevanz hat, und weil ich einen Vorgesetzten habe, der meine Leidenschaft und Energie schätzt und fördert. In früheren Positionen mit anderen Vorgesetzten oder in anderen Unternehmen hatte ich nicht immer so tolle Bedingungen.

Und falls sich die Frage nicht nur auf den Job bezieht: Na, dann vergebe ich erst recht eine 10. Denn da gibt es auch noch einen tollen Mann und zwei wunderbare Kinder.

Was müsste vorhanden sein, damit du eine klare 10 vergeben kannst?

Über die Frage habe ich lange nachgedacht, um zu überprüfen, ob mir wirklich nichts zu einer 10 fehlt . Wenn überhaupt, dann wünsche ich mir etwas mehr Luft. Ich hab´ meistens etwas viel gleichzeitig auf dem Tisch. Etwas mehr Zeit, um auch mal etwas länger über Idee X oder Konzept Y nachzudenken, es liegen zu lassen und ggf. auch neu zu erfinden, das wäre schön.

Beruf oder Berufung – was trifft eher auf Dich und Deinen Job zu?

Für eine Berufung hat mich mein jetziger Job etwas spät ereilt; aber der Begriff Beruf klingt für das, was ich tue und die Leidenschaft, mit der ich das mache, auch zu banal. Ich habe mit meiner jetzigen Position in der Tat aktuell das erste Mal in meinem Berufsleben das Gefühl, dass ich da bin, wo ich immer hinwollte. Vor allem in Bezug auf die Dinge, die ich jeden Tag tue, den Freiraum, den ich habe, um Dinge anzustoßen und mitzugestalten und die Wertschätzung, die mir entgegengebracht wird.

Auf was oder wen würdest du in Deinem Kopf auf keinen Fall verzichten wollen?

Darauf, immer wieder neue Dinge zu lernen. Das war schon immer wichtig, aber ich habe es in den letzten zwei Jahren mit neuem Fokus gemacht und es gibt mir so viel.

Wenn du an einen richtig guten Arbeitstag zurückdenkst, was war da anders als an anderen Tagen?

Dinge, die ich angestoßen/organisiert/umgesetzt habe, haben gut geklappt. Ich habe alles geschafft, was ich mir für den Tag vorgenommen habe zu schaffen. Ich hatte tolle Momente von Zusammenarbeit und Austausch mit anderen. Ich habe nette Rückmeldung bekommen. Ich habe etwas Besonderes in jemandem gesehen, das mir vorher noch nicht aufgefallen war. Ich habe ganz viel Energie gespürt, in mir und zwischen mir und anderen. So viele Dinge können einen richtig guten Arbeitstag ausmachen!

Mal angenommen, du dürftest Deinen Job an jemand anderen weitergeben, welche Eigenschaften müsste er oder sie mitbringen, um einerseits gut darin zu sein und andererseits ebenso zufrieden darin arbeiten zu können? Welche Leidenschaft hätte zudem diese Person?

Leidenschaft für die Themen und die Menschen, die in/mit den Themen unterwegs sind. Lust, sich zu vernetzen, sich inspirieren zu lassen von dem, was andere in vergleichbaren Kontexten oder in anderen Unternehmen tun. Strategisches und analytisches Denken ist sehr wichtig und die Fähigkeit, die Organisation aus der Metaebene zu betrachten und als komplexes soziales System zu verstehen. Das sollte am besten auch eine Leidenschaft sein, denn viele Dinge, die für meine Themen relevant sind, erkennt man am besten mit etwas Distanz und aus einer zumindest angenommenen Beobachterposition. Zudem braucht es viel Neugier und Beharrlichkeit. Und Lust, sich in den Tiefen der Mikropolitik zu tummeln und selbiges als Herausforderung zu betrachten. Was auch noch wichtig ist: Spaß daran, sich weiterzuentwickeln und zu lernen.

Hast du Dir schon mal Gedanken über Deine Grundwerte gemacht? (z.B. Vertrauen, Motivation, Respekt, Ehrlichkeit) Welche müssten Deiner Meinung nach erfüllt sein, damit du zufrieden und glücklich arbeiten kannst?

Alle genannten . Echtheit und Authentizität möchte ich noch hinzufügen.

Da ich permanent immer wieder zu Personen Kontakt habe, die unglücklich im Job sind und sich verändern möchten bzw. am liebsten ihr Umfeld verändern möchten: Was würdest du Menschen, die nicht zufrieden arbeiten, raten, um ihre Situation zu verbessern? Ergänze dazu gern folgenden Satzanfang: „Hast du mal darüber nachgedacht, dass…..“

… du immer was ändern kannst? Daran glaube ich tief und fest: Man kann immer etwas tun und sein (Berufs-) Leben aktiv gestalten. Und wenn es erstmal nicht die großen Sprünge sind – auch kleine Veränderungen bewirken etwas. Manchmal hilft es auch, sich Dinge umzudeuten, wenn gerade an den Umständen nichts gemacht werden kann. Als ich aus meiner ersten Elternzeit wiederkam und unzufrieden war, konnte ich das erstmal noch gut aushalten, weil die Vereinbarkeit ganz gut gegeben war. Aber natürlich hilft so ein Reframing nicht auf Dauer. Dann sollte man handeln – dabei kann auch der Austausch mit anderen sehr helfen.

Welche Werte/Vorstellungen in Bezug auf Arbeit hatten deine Eltern/Großeltern? Waren/Sind sie zufrieden?

Ich denke, meine Großeltern, Jahrgang 1918 und 1923, wollten vor allem Sicherheit; so waren sie geprägt. Meine Oma hat nach ihrer Hochzeit nie mehr gearbeitet, war aber immer dynamischer als mein Opa es war, und ich glaube, auch etwas schlauer, sehr neugierig, eine Powerfrau. In der heutigen Zeit wäre sie sicher beruflich durchgestartet.

Mein Vater wollte einen Beitrag für die Gesellschaft leisten und diese auch immer mitgestalten. Hat er als Lehrer auch geschafft. Ich glaube, meine Eltern wollten schon Erfüllung in ihren Berufen finden, aber nicht so sehr auf der Selbstverwirklichungsschiene, wie das heute der Fall ist.

Gibt es etwas, was du noch ergänzen möchtest?

Ich glaube, dass Jobzufriedenheit und Gesundheit eng zusammenhängen. Ich war in einem vorherigen Job mal so lange unzufrieden, geringgeschätzt, mit wenig Möglichkeiten, mich weiter zu entwickeln… da war ich monatelang chronisch mit Nasen-Nebenhöhlenentzündungen beschäftigt. Das ging schon so weit, dass ich sogar schon eine Kur bewilligt bekommen hatte. Dann habe ich bei meinem jetzigen Arbeitgeber angefangen, seitdem war ich kein einziges Mal mehr krank (und nein, das hat nicht damit zu tun, dass ich ausgebeutet werde und nicht krank sein darf). Das finde ich bezeichnend… die Seele bildet eben doch den Körper aus.

Fällt Dir eine Frage ein, die du noch beantworten möchtest oder auf deren Antwort du bei anderen Interviewpartnern gespannt wärest?

Eine Frage, die ich spannend finde: Wenn du an den Anfang deines Berufslebens zurückkehren könntest – würdest du den Weg nochmal so gehen?

Herzlichen Dank für Deine Zeit und Mühe, liebe Mariann, mein Vorhaben zu unterstützen und vielleicht dadurch einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass Menschen daran glauben, zufrieden und glücklich arbeiten zu können. Frei nach meinem Montagsmotto: #loveitchangeitleaveit – du hast immer eine Wahl!

Möchtest du, lieber Leser/liebe Leserin, auch anderen Menschen Dein persönliches Geheimnis verraten, wie es möglich wird, zufrieden oder sogar glücklich zu arbeiten? Einzige Bedingung, du bist bereits länger als ein Jahr in Deinem aktuellen Job beschäftigt und bist zufrieden – dann melde Dich gern bei mir

 

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