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Digital in Balance

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In der vergangenen Woche haben wir uns erneut zum MeetUp #digitalesbewusstsein getroffen. Und wie so jedes Mal war es eine vertrauensvolle Runde, in der wir ganz schnell auf sehr persönliche Themen gekommen sind. Das Einstiegsthema ist Digitalisierung und im Kern geht es beim MeetUp recht schnell um menschliche Werte und Kompetenzen, die notwendig oder hilfreich sind, um den digitalen Strukturwandel, der aktuell stattfindet, gesund und zufrieden zu erleben oder mitzugestalten.

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Die Agenda wird gemeinsam direkt am Abend spontan durch die TeilnehmerInnen mit der Lean Coffee Methode gestaltet.

Bei den einzelnen Themen-Pitches stand dieses Mal der Umgang mit dem Smartphone, den sozialen Medien und der permanenten Informationsvielfältig- und -verfügbarkeit im Vordergrund.

Wir haben gemeinsam festgestellt wie schnell die Zeit vergeht, wenn wir uns mit unseren Smartphones beschäftigen. Wir befinden uns in einer anderen Welt, tauchen nach einiger Zeit wieder auf und merken dann erst wie viele Minuten oder auch Stunden vergangen sind. Stunden, die wir uns teilweise fast im World Wide Web verloren haben und die uns erst im Nachhinein bewusst werden. Dazu erleben wir permanente Beschleunigung durch ständige und schnelle Interaktionsmöglichkeiten. Es bedarf so einiges an Aufmerksamkeit und auch Selbstbewusstsein, um bewusste Kommunikationsentscheidungen zu treffen. Wann antwortest du zum Beispiel auf Textnachrichten? Hast du feste Zeitfenster? Antwortest du stets sofort? Was erwartet Dein Umfeld? Was habt ihr vielleicht sogar abgesprochen, damit niemand enttäuscht ist, wenn er oder sie nicht innerhalb von 8 Stunden eine Antwort erhält.

Immer und überall verfügbare Informationen

Ein weiteres Thema war auch die Informationsvielfalt. Alles, wonach wir suchen, ist verfügbar und manchmal mehr, als wir suchen. In unserem Kreis wurde die Sorge geteilt, dass Informationen verloren gehen. Finden wir das bei all den Inhalten jemals wieder, was wir gerade so wertvolles gefunden haben? Ist es verzichtbar, die Bookmarks sofort abzuspeichern? Was ich bereits über andere Kanäle immer wieder wahrgenommen habe, dass viele Sorge haben, etwas zu verpassen, wenn das Handy nicht in der Nähe ist oder nicht permanent alle Nachrichten- oder die persönlichen Informationskanäle im Blick behalten werden. Das Internet kennt dafür schon seit längerem einen Begriff: „The Fear of Missing Out“ oder die Angst, etwas zu verpassen. Hier geht es zusätzlich noch darum, dass Menschen Angst haben, nicht nur Erfahrungen, sondern auch Begegnungen zu verpassen.

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Wie nun mit den digitalen Endgeräten umgehen, die uns so viele Möglichkeiten bescheren? Wie können wir unsere digitale Balance wahren oder wiederfinden? Ausgetauscht wurden Tipps wie Digital Balance-Apps, Digitalisierungsregeln mit uns selbst und im Kontakt zu anderen. Hilfreich empfanden alle TeilnehmerInnen, das Ausschalten der Benachrichtigungsfunktionen auf dem Smartphone. Über andere digitale Werkzeuge haben wir dieses Mal nicht gesprochen. Aber auch bei Nutzung von Trello, Mail-Systemen, anderen Kollaborationsplattformen bietet sich selbiges an. Kleiner Tipp: prüfe sämtliche Funktionen, die automatisch zu Dir Kontakt aufbauen. Willst du das wirklich? Oder möchtest du bewusst entscheiden, wann du Dich womit beschäftigst? Hilfreich können tatsächlich Apps sein oder Funktionen, die Dein Smartphone automatisch mit dem Betriebssystem mitbringt, die es Dir ermöglichen, Deine Handy-Nutzung zu unterbrechen und zu überdenken oder auch zu übersteuen, wenn du ein wenig Verantwortung abgeben möchtest.

Kennst du Dein digitales Ich?

Ein weiterer Aspekt war am Abend, die Existenz unseres digitalen Ichs oder auch die Frage, wie sehr sich unsere analoge Persönlichkeit von digitalen Profilen unterscheidet. Wieviel Authentizität ist in Ordnung? Was ist überhaupt Authentizität und erkennt man Dich in der analogen Welt oder umgekehrt wieder? Auch hier hilft es, ab und an mal innezuhalten und zu überdenken oder auch nachzufragen, wie andere (Fremde, Bekannte, Freunde oder Familie) einen wahrnehmen und ob einem diese Perspektive zusagt. Und wenn wir gerade schon bei Social Media sind: wir haben uns auch kurz der Frage gewidmet, wieviel persönlicher Austausch in digitalen Zeiten aktuell noch nötig oder wünschenswert ist. Darauf folgte an dem Abend auch schon die nächste Frage, was ist überhaupt persönlicher Austausch. Inniger Kontakt kann auch über Videotelefonie und Textnachrichten gehalten und aufgebaut werden. Analoge Kommunikationskomponenten sind hier zwar hilfreich, aber je nach Kontakt und Beziehung nicht oder nur teilweise erforderlich. Wie immer kommt es aber darauf an, worum es geht und wer zueinander Kontakt pflegt und wie die Verständigung verläuft. Mehr oder minder haben wir für uns an dem Abend eine Formulierung gefunden, die stimmig für den Moment war: Persönlicher Austausch kann somit definiert werden als das Schenken vollkommener Aufmerksamkeit gerichtet an eine Person in dem jeweiligen Moment. Angrenzend an das Thema teilten wir ein wenig Sorgen und Gedanken, dass Menschen aufgrund der Smartphone-Nutzung immer und überall zurückhaltender werden im analogen Kontaktaufbau. Alltagsmomente der Begegnung werden seltener und es bedarf so einiges an Selbstbewusstsein, um dies weiterhin möglich werden zu lassen. Gerade auch wenn Personen sich immer und überall mit dem Handy beschäftigen und in das Gerät starren, nicht mehr um Hilfe bitten, wenn sie den Weg nicht kennen, Tinder nutzen, um Beziehungen anzubahnen etc. Auch hier gilt, wie geht es Dir damit? Ist alles gut so wie es ist oder möchtest du daran was ändern?

Unser Resümee am Ende des Abends war, dass es auf jeden Fall keine allgemeingültigen Tipps und Regeln geben kann. Jeder sollte für sich selbst einen Weg finden, wie er die eigene Smartphone-, Social Media und allgemein Internet-Nutzung gestalten möchte. Bist du unzufrieden, dann schau, ob du durch einen bewussteren Umgang erst einmal erkundest, wie du Dich digital verhältst und bedenke stets, du hast es selbst in der Hand. Spürst du jedoch, dass Deine Anziehung stärker ist und du Dich kaum lösen kannst und der Gedanke, dass es sich um eine digitale Sucht handeln kann, lauter wird, dann melde Dich sehr gern. Wir ergründen gemeinsam im Gespräch, welche Lösungsmöglichkeiten es dafür geben könnte.

Hilfreich kann ergänzend zu den Anregungen oben sein, dass gerade im Kontakt zu anderen es Sinn machen kann, die Erwartungshaltung in der Kommunikation sowie damit zusammenhängend mögliche Wirklichkeiten zu überdenken: „Vermute ich gerade nur, dass jemand von mir sofort Antworten erwartet oder ist dies tatsächlich so?“

Für mich hat das MeetUp wieder mal voll seinen Zweck erfüllt. Durch Austausch, Erfahrungsschatz teilen und Perspektivwechsel voneinander lernen und das eigene digitale Bewusstsein erweitern. Eindrücke der bisherigen Treffen findest du im Google-Fotoalbum. Wir treffen uns das nächste Mal am 20. Februar 2020 wieder von 19-21h in der CoWorkBude14 in HH-Winterhude. Somit #savethedate. Trag Dich gern in den Newsletter ein, wenn du über aktuelle Veranstaltungen informiert werden möchtest.

Liebe Grüße und bis bald, Sandra.

Beratung-Coaching-Stolpersteintraining

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