AchtsamkeitGesundheitStressmanagement

Stress lass nach

networking-stress

Im letzten Jahr habe ich in meinem Podcast eine Folge „Stress lass nach“ veröffentlicht. Für all diejenigen, die keine Podcast-Fans sind und Blogartikel vorziehen, ist dieser Beitrag.

Stress lass nach!

Was mich immer wieder wundert, ist, dass es von unserem Gesundheitssystem nicht mehr Aktivitäten gibt, um Stress vorzubeugen oder Stressempfinden zu reduzieren.

Was mich nicht mehr wundert, dass Arbeitgeber manchmal nur kosmetisch BGM-Maßnahmen einsetzen oder sogar gar kein Angebote im Bereich Gesundheit für ihre Mitarbeiter*innen bereithalten. Dies wird so lange Bestand haben wie wir gewinnorientierte Unternehmungen gestalten und nicht auf nachhaltiges Wirtschaften umstellen, meine ganz persönliche Meinung.

Und ja, gewiss gibt es Unternehmen, die es ernst meinen und Arbeitsbedingungen und Angebote schaffen, die es Mitarbeitenden möglich macht, Gesundheit und Wohlbefinden und damit auch Arbeitszufriedenheit und Produktivität zu erhalten. Meiner Meinung gibt es von diesen aktuell immer noch viel zu wenig. Darüber könnte man sich jetzt ewig beschweren und darauf warten bis etwas passiert. Die Arbeitswelt verändert sich zum Glück, jedoch eher langsam, so sollten wir uns nicht darauf verlassen, dass jemand für uns sorgt, sondern unsere Gesundheit selbst beeinflussen.

„Stress entsteht in unserem Kopf“

sagen wir Berater*innen, Coaches*innen, Therapeut*innen und Trainer*innen. Das begeistert nicht jeden, da wir nicht einfach die Verantwortung für die Problemlösung weiterrreichen können (obwohl wir das manchmal mit diversen Mittelchen versuchen). Auf der anderer Seite ist es großartig: denn, wenn Stress in Deinem Kopf entsteht, dann kannst du diesen auch auflösen. Du hast es in der Hand und benötigst vielleicht nur noch einige zusätzliche Kompetenzen dazu.

Ich hatte mich vor etwas längerer Zeit mal mit einer Freundin über das Thema unterhalten und mich darüber beschwert, dass Menschen nicht gut für sich selbst sorgen würden.

Meine Freundin stellte die Hypothese auf, dass viele Menschen vermutlich gar nicht merken, dass sie gestresst seien. Das kann schon sein.

Menschen spüren in dieser bewegten technologisierten, immer schneller werdenden und durch digitalisierten kaum noch sich selbst. Viele sind häufig in Aktion, auf dem Sprung, in Eile. Der Pausenknopf wird nur selten gedrückt.

Dabei wäre genau dieser so hilfreich, um die Aufmerksamkeit (mal wieder) auf sich selbst zu lenken und damit auch die Gelegenheit zu ergreifen, in sich hinein zu spüren und festzustellen, auf welchem Level gerade das eigene Stressempfinden ist. Ihr wisst schon, das Prinzip der Achtsamkeit anwenden.

Stress – eine ganz natürliche Reaktion unseres Körpers

Stress ist unsere natürliche Reaktion auf Anspannung, Druck und Veränderung. Die einzige Kunst ist es, Anspannung und Entspannung in etwa in Balance zu halten. Um es kurz und knapp zu beschreiben: Stress versetzt Deinen gesamten Körper in einen Alarmzustand und unterstützt Dich dabei, für Dich herausfordernde Situationen gut bewältigen zu können. Vergleichbar mit einem Feuerwehreinsatz. Die Feuerwehrleute laufen im Einsatz auf Hochtouren und müssen sich danach erholen. Auch dein Körper benötigt nach einem Stressmoment ausreichend Ruhe, um wieder in den Normalzustand zurückzukehren. Funktionen Deiner Organe und Deines Nervensystems entspannen sich wieder.

Du kannst Dir auch einen Sprint vorstellen: 100m richtig fix laufen – danach musst du erst einmal verschnaufen. Ähnlich auch bei einer Joggingstrecke. Du kannst sogar einen Marathon durchhalten, wenn du ausreichend Regenerationszeit mit einbaust und mit Deiner Energie und Deinen persönlichen Ressourcen gut haushalten kannst.

Und auf genau letzteres kommt es an. Um Dein Energielevel im Lot zu halten, musst du wissen, was Dir gut tut, was Dich wiederum fordert oder sogar belastet. Wodurch wirst du in einen Alarmzustand versetzt und auf welche Weise entspannst du und sorgst dafür, dass Deine Batterien wieder aufgeladen werden?  Wenn du bereits die Antworten auf diese Fragen kennst, dann ist das schon mal eine gute Voraussetzung.

Baue Deine Stresskompetenzen aus

Starte mit Deiner Selbstbeobachtung und nimm Dir Zeit zu erkennen, wann du durch was gestresst wirst und ab wann es ein eher unangenehmes Stressempfinden ist. Folgende Fragen und Methoden könnten Dir dabei weiterhelfen:

  1. Stufe 1 im Stressmanagement wäre immer, Dich selbst im Zusammenspiel mit Deiner Umwelt, Deinen Lebens- und Arbeitsumständen zu beobachten.
    • Hierzu hilft ganz einfaches Innehalten immer mal wieder am Tag und Dich selbst zu fragen: wie geht es mir jetzt gerade? Was beschäftigt mich? Was geht mir durch den Kopf? Was ist gut? Was läuft nicht so gut?
    • Du kannst auch Dein konkretes Stresslevel vergleichen und Dich immer mal wieder fragen und das Ergebnis notieren: auf einer Skala von 1-10 wie gestresst fühle ich mich heute?
  2. Stufe 2 wäre dann schon ein wenig konkreter und geht eher in die Analyse Deiner sogenannten Stressoren – der Stressauslöser:
    • Ich mag folgende Übung gern: Erbsen oder Kaffeebohne zählen. Ja, du hast richtig gehört. Bei jedem wahrgenommenen Stressmoment kannst du eine Erbse in ein dafür vorgesehenes Glas stecken und am Ende des Tages Bilanz ziehen.
    • Wenn du Dich weiter damit beschäftigen möchtest, dann kannst du sogar Situationen beschreiben, in denen du Dich gestresst fühltest und Dir diese am Ende des Tages oder der Woche noch einmal anschauen. Vielleicht erkennst du Ähnlichkeiten und Muster.
    • Manchmal braucht es das auch gar nicht, sondern du weißt sofort, was Dich stresst
  3. Und dann kommen wir schon zum nächsten. Es gibt sehr viele Dinge, die relativ leicht zu ändern sind, z.B.
    • die Reduktion von Umgebungsgeräuschen, Gerüchen etc. in Deinem Umfeld
    • Du kannst Dein Zeit- und Selbstmanagement anpassen: es gibt ganz viele Tipps und Tricks wie du Deine Organisation verbessern kannst. Du hast es in der Hand, in dem du sie ausprobierst und für Dich geeignete findest. Ich hab dazu mal einen Blogartikel verfasst, lies gern mal rein.
    • Du kannst darauf einwirken, dass sich die Rahmenbedingungen Deiner Arbeitswelt oder Deiner Tätigkeit sich verändert: das kann für einige vielleicht schon eine Herausforderung sein. Häufig geht es darum, zu Deinen eigenen Bedürfnissen zu stehen (vor allem diese zu kennen) und diese zu kommunizieren.
  4. Größere Herausforderungen und nicht immer so leicht zu verändern, sind:
    • Konflikte mit Menschen, vor allem wiederkehrende, die vielleicht auch darauf schließen, dass wir eine Beziehung klären müssen. Da die Menschen grundsätzlich ein Grundbedürfnis nach Bindung (und damit häufig nach Harmonie) in sich tragen, stellt die Klärung von Konflikten häufig eine große Herausforderung dar.
    • Aber auch sogenannte intrapersonelle Themen und quasi innere Konflikte können uns immens stressen. Wenn wir diese jedoch auflösen oder uns ihnen stellen, kann es, meiner Erfahrung nach, eine nachhaltige Veränderung geben: häufig betrifft dies alte Verhaltensmuster, Werte und daraus resultierende Glaubenssätze. Ein Klassiker zum Beispiel wäre: „Was du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen.“ Der Spruch mag auf den Wert Fleiß und Engagement hinweisen und zieht viele geschätzte Eigenschaften nach sich. Kippt jedoch die Balance-Waage, dann kann ein Mensch mit diesem Leitmotiv und viel zu vielen todos für einen Tag gern mal über seine Grenzen gehen.

Wenn du nun diese Liste durchgegangen bist, hast du bestimmt einen oder auch mehrere Stolpersteine entdecken können. Es lohnt sich, diese aus dem Weg zu räumen und zwar gern dauerhaft, um Deine Balance zu wahren oder wieder herzustellen.

Ein Leben in Balance?

Ich höre immer mal wieder: „Ist ja nicht so schlimm, das bisschen Stress.“ Oder „Ich habe keine Zeit mich damit zu beschäftigen“. „Stress zu haben“ ist leider teilweise immer noch en vogue. Du hast viel zu tun, bist wichtig, wirst für Deine Leistung, gern auch Dein Über-Engagement, Deine Überstunden etc. anerkannt.

Nur denk mal drüber nach. Welches Leben möchtest du wirklich führen? Soll es das gehetzte sein? Eines, bei dem du ständig in Eile bist? Eines, bei dem du kurz vor Eintreten in das Himmelstor Dich nochmal umdrehst und seufzt und sagst: „Ach hätte ich doch nur als die „hätte ich“s umgesetzt. Jetzt ist es zu spät. Was hab ich nur all die Jahre gemacht?“

Vielleicht lohnt es sich auch für Dich, Dich mit dem Theme Stressmanagement zu beschäftigen? Vielleicht trägst du bereits ein wenig die Vermutung in Dir, dass du auf dem Weg in einen Burnout bist oder zumindest erheblich unter Deinem empfundenen Stress leidest?

Spätestens dann, wenn du körperliche Reaktionen spürst, solche, die immer wiederkehren, solltest du Dich auf den Weg machen. Der chronische Stress findet immer seinen Weg, zum Beispiel in Migräne, Spannungskopfschmerzen, Rückenschmerzen, Herpes, grippale Infekte, Magen- und Darmprobleme, starkes Schwitzen. Dies sind nur einige Symptome. Leider haben wir in unserem Gesundheitssystem immer noch nicht ausreichend Ärzte, vor allem Fachärzte, die bei gewisser Symptomatik auch das Thema Stress ansprechen. Somit liegt da ganz viel Eigenverantwortung bei Dir. Bist du Dir noch unsicher, ob du Dich unterstützen lassen solltest und wenn ja, wer für Dich die/der richtige Ansprechpartner*in (Arzt/Ärztin, Therapeut*in, Coach*in) ist, dann melde Dich gern bei mir und ich sende Dir einen Fragebogen zur Selbsteinschätzung Deines aktuellen Stresslevels zu.

Ich freu mich, dass du heute reingeschaut hast und bin gespannt, was du aus diesem Beitrag für Dich mitnehmen konntest. Hast du Fragen oder möchtest Deine Erfahrungen teilen, dann tritt gern unserer Facebook-Community BlickRichtung Zukunft bei und tausche Dich mit anderen aus. Mach´s gut und bis bald!

Zum Podcast geht´s hier entlang.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.