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Digitaler Stress – einfach mal abschalten!

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Digitaler Stress ist grundsätzlich auch vor Corona schon eines meiner favorisierten Themen gewesen. Ich mag die Erleichterung und auch Erheiterung unseres (Arbeits-) Alltags durch digitale Werkzeuge sehr. Jedoch nehme ich auch zunehmend sehr kritisch die enge Verbundenheit zwischen Mensch und digitalen Endgeräten wahr. Und genau das ist es, was mir seit einiger Zeit Sorge bereitet. Gerade verstärkt durch die aktuelle Popularität von Home Office und der damit stattfindenden Entgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit.

Und nicht nur das. Wie durch Zauberei entstehen gerade zahlreiche Angebote im Netz, die uns Konzerte und Kultur darbieten. Dazu werden virtuelle Verabredungen organisiert. Sogar Weinproben, die Chorprobe oder die Sporteinheit sind digital zu besuchen. Diverse virtuelle Freizeitangebote, die vor allem auf Social Media derzeit angepriesen werden. Und wisst ihr was? Mich persönlich erschöpft das. Ich vermute den einen oder die andere von Euch ebenso. Meine Sorge ist dabei, dass wir unsere physische wie auch psychische Gesundheit dadurch belasten. Aufgrund der hohen Frequenz und der sich aktuell so schnell verändernden Welt ist dies vielleicht gar nicht sofort für den einzelnen spürbar. Vielleicht fällt es uns erst dann auf, wenn erste unschöne Symptome eintreten. Und diesem Zustand möchte ich gern durch diesen Beitrag vorbeugen.

Ich unterstütze gern Unternehmen und auch Solo-Selbstständige dabei sich digitaler aufzustellen und Vorzüge zu nutzen. Aber zur Digitalisierung gehört meiner Meinung nach weit mehr. Es geht um die Gestaltung des stattfindenden digitalen Strukturwandels: Kompetenzen nutzen, Wünsche, Bedürfnisse erkennen und Grenzen erkennen und auch zum Ausdruck bringen. Vor allem gut mit mir selbst und mit anderen dazu im Kontakt sein.

Werte und Digitales Bewusstsein

In den letzten Wochen habe ich ein großartiges Buch zum Thema gelesen: „Digitale Ethik“ von Sarah Spiekermann. Es geht darin vielfach um Werte und Bewusstsein. Werte bilden die Grundlage unseres Handelns. Genau diese sollten wir in Zeiten des Wandels nicht vergessen. Ganz im Gegenteil: uns auf sie zurückbesinnen.  Auch wenn wir alle unglaublich schnell versuchen auf Züge aufzuspringen, unsere Welten anpassen, um nicht zurückgelassen zu werden; es lohnt sich so manches Mal innezuhalten. Sich selbst und insbesondere auch sich als Team oder Organisation zu hinterfragen.

Welche Werte verfolgst du mit Deinem Handeln? Insbesondere auch mit Deinem unternehmerischen Handeln, solltest du selbstständig sein oder ein Unternehmen führen? Bist du Dir Deiner Werte bewusst? In meinen Beratungsgesprächen und Coachings mache ich immer wieder die Erfahrung, dass es für Menschen sehr erhellend ist, einen Kontakt zu ihren Grundwerten aufzunehmen. Sie zu erforschen, zu erkennen, zu benennen und vor allem zu ihnen zu stehen. Nicht nur weil unser Verhalten auf diesen aufbaut, sondern auch weil wir uns dadurch häufig unseren Kompetenzen bewusst werden. Gerade beim Thema „Digitaler Stress“ macht es meiner Meinung nach Sinn, sich seiner Werte und den daraus resultierenden Verhaltens- und Kommunikationsweisen im Umgang mit digitalen Werkzeugen und Medien bewusst zu werden.

Digitale Arbeitswelt

Betrachten wir nun unsere digitale Welt und reflektieren, was aktuell geschieht. Unsere Arbeitswelt zieht aktuell in unser Wohnzimmer ein. Die Szenarien, die wir antreffen, sind verschieden.

Großartig, du sparst Fahrtzeit, kannst Dich plötzlich gesunder ernähren und bist bestenfalls endlich produktiver im Home Office. Um nur ein beispielhaftes Szenario zu beschreiben: Was geschieht aktuell mit den Workaholics unter uns?

  • Fällt es Dir aktuell noch leicht ein Ende zu finden?
  • Machst du ausreichend Pausen? Bildschirm- und Bewegungspause?
  • Isst du regelmäßig?
  • Lüftest du Deine Räumlichkeiten?
  • Wie steht es um Deine Körperhaltung? Sitzt du verkrampft vor Deinem Rechner?
  • Fühlst du Dich wohl in Deiner Arbeitsumgebung? Bist du frei von Ablenkung?

Viele Studien zeigen auf, dass Arbeitgeber vor Home Office-Rücklagen zurückschrecken. Sie tragen Sorge in sich, dass Arbeitnehmer das Vertrauen missbrauchen und weniger diszipliniert ihren Aufgaben nachgehen. Das Gegenteil ist jedoch häufig der Fall. Es gibt so einige Menschen, die das Gefühl haben, sie müssten beweisen, dass sie ihren Job auch im Home Office weiterhin ausüben und mehr denn je arbeiten. Die Folge daraus ist gerne mal, dass Menschen permanent verfügbar sein w(s)ollen, keine Anruf verpassen, in Social Collaboration – Tools immer auf anwesend/am Platz sichtbar erscheinen. Dabei vergessen sie so manches Mal sich selbst. Ihre Bedürfnisse rücken dabei in den Hintergrund. Somit gewinnen hier für den Moment die Werte Verbindlichkeit und Loyalität sowie Ehrlichkeit und vielleicht auch Fleiß. Die Werte Selbstfürsorge und Gesundheit werden hier jedoch nicht oder nur teilweise berücksichtigt, was langfristig negative Auswirkungen auf Gesundheit, damit Produktivität und auch die Arbeitsbeziehungen haben könnte. Alles Pflichtbewusstsein in Ehren – aber (digitaler) Stress ist hier wohl beinahe schon vorprogrammiert, oder?

Zeit- und Selbstmanagement überdenken

Du weißt selbst, bist du erstmal im Flow, vergisst du gern die Zeit. Auf der anderen Seite müssen wir uns zunächst erstmal in der für so manchen neuen Arbeitsumgebung mit anderen Abläufen und Strukturen zurechtfinden. Das kostet Energie. Dennoch lohnt es sich, mal kurz auf den Pauseknopf zu drücken und sich folgende Fragen zu beantworten:

  • Erreichbarkeit regeln: wann bis du über welchen Kanal zu erreichen? zu welchen Zeiten des Tages und vor allem zu welchen nicht?
  • Grenze zwischen Arbeit und Freizeit ziehen: wann endet für Dich mit welchem Ritual Dein Arbeitstag? Wann beginnt er? Welche Aktivitäten entsprechen bei Dir Arbeit? Wobei erholst du Dich?
  • Antwortzeiten: wie habt ihr Euch im Team, mit dem Vorgesetzten und Kunden, Lieferanten abgestimmt? Wann sollte spätestens eine Antwort auf eine Nachricht (Mailbox, Mail, Benachrichtigung Collaboration Tool) erfolgen?
  • Benachrichtigungen stumm schalten: Push oder Pull? Ist Dir klar, dass durch jede Benachrichtigung (Geräusch, Bild, Like, Vibration, Blinken…) Deine Aufmerksamkeit beansprucht wird und du somit aus Deiner aktuellen Aufgabe herausgerissen wirst? Deine Produktivität sinkt dadurch und du musst immer und immer wieder Rüstzeit investieren bis du auf dem gleichen Konzentrationslevel bist wie zuvor.
  • Virtuelle Meetings: Straff organisieren und strukturiert umsetzen, kurz halten, Umgebungsgeräusche stumm schalten, Ablenkung vermeiden.
  • Augen entspannen: häufig vergessen wir bei der Arbei am Bildschirm zu blinzeln. Blinzeln und den Blick mindestens einmal in der Stunde weg vom digitalen Endgerät schweifen zu lassen und die Augen erholen, kann Abhilfe schaffen.
  • Erinnerungen in den Kalender eintragen: Nahrungsaufnahme, Trinken, Bewegungspause, Lüften und diese zu Gewohnheiten werden lassen
Lass mal zoomen!

Zu den ganzen Zoom-Calls, dem Newsfeed im Slack oder dem Ping der Mail kommen nun auch noch zahlreiche virtuelle Freizeitaktivitäten dazu. Deine armen Augen und Dein armes Gehirn. Auf einer Skala von 0 – 10 wie digital erschöpft bist du (bereits jetzt)? Natürlich ist es schade, dass du nicht mehr ins Fitness-Studio oder zum Tanzen gehen kannst, Deine Freunde nur noch in kleinen Dosen und vereinzelnd treffen darfst. Aber stellt es Dich wirklich zufrieden? Spürst du, dass es Dir gut tut, wenn du sämtliche Aktivitäten virtuell klonst? Sind diese Aktivitäten für Dich nicht gerade deswegen so besonders, weil du für gewöhnlich anders zusammenkommst, soziale Nähe spürst, vielleicht auch Energie austauschst?

Mir persönlich ist in letzter Zeit immer wieder aufgefallen, dass ich nach einem Zoom-Call erschöpft bin und mich vorher nicht in Ansätzen auf ein solches Treffen freue, wie auf die üblichen analogen Zusammenkünfte. Natürlich bin ich dabei und hab alles ausprobiert. Denn probieren geht über studieren: Singen via Zoom, Netzwerkplausch, Coaching virtuell, Sport, gemeinsames Bier trinken etc. Ich muss sagen, ich spüre immer mehr digitale Müdigkeit und ziehe es aktuell vor, digitale Angebote dosiert anzubieten und vor allem selbst zu nutzen. Stichwort „Digitaler Minimalismus“. Ein Wort, welches der Autor Cal Newport im gleichnamigen Buch so großartig beschreibt.  Es wird ein Leben nach Corona geben. Wir können dann viele von den bisherigen Angeboten wieder erleben. In der Zeit dazwischen sucht man sich andere Aktivitäten. So geht es mir, aber das Empfinden und vielleicht auch gerade der wahrgenommene digitale Stress ist höchst individuell.

Was brauchst du, damit es Dir gut geht?

Um noch einmal auf das Wertethema zurückzukommen: Mein Wert Gesundheit steht bei mir an erster Stelle. Gesundheit hat für mich mit Erholung zu tun und vor allem Grenzen zwischen Job und Privatem zu ziehen, da sich diese durch meine Freiberuflichkeit eh leicht verschieben. Der Laptop und auch die digitale Kommunikation sind für mich Arbeit. Gerade letztere verbraucht Ressourcen, die ich immer mal wieder auflade – und eben durch nicht-digitale Aktivitäten. Mein Gehirn verarbeitet permanent Informationen. Durch das Digitale nochmal mehr als durch analoge Kontakte. Und gerade ersteres findet bei uns allen statt: Mit jedem Input, den wir erhalten, geben wir unserem Gehirn etwas zu verarbeiten. Je mehr Inputs, desto mehr Aktivität. Hier hat jeder eine individuelle Grenze, die zu wahren ist, um Erschöpfung vorzubeugen.

Versteht mich nicht falsch, es geht mir nicht darum zu sagen: „Hört auf mit diesem ganzen digitalen Quatsch.“ Nein, ganz im Gegenteil: „Nutzt aktuell das, was Euch gut tut. Nur bitte macht das bewusst, um Eure Gesundheit und Euer Wohlbefinden zu erhalten, zu schützen oder auch wiederherzustellen.“

Für so manchen Menschen ist es aktuell sehr schwer, allein zu Hause mit vielleicht weniger Aufgaben, Zeit zu verbringen, das Sozialleben eingeschränkt zu erleben. Für diesen Kreis sind die ganzen virtuellen Angebote ein wahres Geschenk. Hier gewinnt der Wert „Gemeinschaft“ vor „Erschöpfung“, weil letzteres möglicherweise gar nicht erst eintritt. Aber schaut da mal genau hin, wieviel Euch wirklich an virtuellen Aktivitäten gut tut.

Die beste Prävention – digitale Achtsamkeit

Woran kannst du erkennen, dass du digital erschöpft bist?

Die folgenden Symptome sind übrigens nicht nur solche digitaler Erschöpfung, sondern auch ganz allgemeine typische Stresssymptome. Ergänz gern in den Kommentaren solltest du andere oder noch weitere Symptome feststellen:

  • Dein Schlafverhalten verändert sich
  • Deine Konzentration lässt nach
  • du springst in den Themen, es fällt Dir zunehmend schwer Dich zu fokussieren
  • in Deinem Kopf treffen sich zahlreiche Gesprächsfetzen der letzten Stunden
  • du reagierst gereizt auf Deine Mitmenschen
  • leichte Melancholie macht sich breit
  • Empfinden von Freude lässt nach
  • Deine Augen schmerzen, sind gerötet
  • Deine Schultern, Dein Nackenbereich oder andere Körperregionen sind angespannt

Der beste Weg (digitaler) Erschöpfung vorzubeugen, ist, sich immer wieder in Achtsamkeit zu üben. Frag Dich mehrmals am Tag, vielleicht zu festen Tageszeiten, wie es Dir gerade geht. Nimm gern dazu ein paar tiefe Atemzüge, schließe die Augen und spüre in Dich hinein. Geh Deine einzelnen Körperregionen durch und fokussiere Dich auf Deinen Körper und Deine Geist. Eine prima Übung für Einsteiger ist der sogenannte BodyScan, der Dich zu einer Reise durch Deine Körperregionen einlädt. Probier gern mal aus, ob das was für Dich ist.

Und dazu noch tausch Dich mit anderen dazu aus. Suche das Gespräch unter Freunden, dem/r PartnerIn, Kollegen, Vorgesetzten und handelt miteinander aus, welche Digitalisierungsspielregeln gut für Euch sind. Dazu gibt es von Prof. Böhm eine ganz interessante Studie, die die gesundheitlichen Effekte der Digitalisierung am Arbeitsplatz beschreibt.

Ich lade Dich dazu herzlich zu meiner nächsten Online-Sprechstunde „Digitaler Stress“ ein. Hier kannst du Deine Fragen adressieren und Tipps erhalten wie du entspannt und gesund im digitalen Strukturwandel bleibst. Ich freue mich darauf Dich kennenzulernen. Schau gern auch auf Instagram vorbei. Hier teile ich immer mal wieder aktuelle Studienergebnisse oder Impulse, die Dein digitales Bewusstsein fördern.

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